Gastbeitrag: Die nie gehaltene Rede des Werner Faymann – Vorsitzender SPÖ

Die nie gehaltene Rede des Werner Faymann, Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ)

F I K T I O N / S A T I R E

„Geschätzte Stammwähler, liebe Staatsbürgen und Nichtwähler!

Lassen Sie mich Ihnen vorweg versichern, dass ich mir sehr wohl der Tatsache bewusst bin, dass mein Berufsstand ein inzwischen untragbares Glaubwürdigkeitsproblem hat. Auch der letzte Talbewohner im hintersten Winkel unseres schönen Landes dürfte mittlerweile erkannt haben, dass die entfesselten Zwänge des internationalen Kapitalsozialismus die gesamte Demokratie ausgehebelt haben. Die panischen Weichenstellungen für die nähere Zukunft werden von einigen wenigen Menschen getroffen, die über keinerlei demokratische Legitimation verfügen, dafür soviel Einfluss besitzen, dass sich kein Politiker, dem sein Leben lieb ist, diesem auf Dauer entziehen kann.

Gerade als amtierender Bundeskanzler eines freien Landes wie Österreich, das im Herzen Europas auf eine bewegte Geschichte zurückblicken kann, möchte ich die Gelegenheit ergreifen und Ihnen einige Punkte zur Kenntnis bringen, die erahnen lassen, wohin die gemeinsame Reise gehen muss. Voraussetzung dafür wird freilich sein, dass wir endlich damit beginnen, im allgemeinen Interesse Flagge zu zeigen.

Seit sich Österreich im Mai 1955 zur Einhaltung des aktuellen Staatsvertrages verpflichtet hat, der zur Wahrung einer „immerwährenden Neutralität“ gemahnt, haben wir die Welt verändert. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritte seit Ende des letzten großen Krieges drohen sich nun in ihr Gegenteil zu verkehren, sofern die politischen Führer nicht schleunigst den (Steuer-)Schraubenzieher aus der Hand legen und dafür gekonnt die Abrissbirne einsetzen – nicht, um Institutionen kaputtzumachen, sondern: um für zeitgemäße Strukturen (Organisationsformen) Raum zu schaffen.

Während mächtige Bereiche der Finanzindustrie, der Bankenlandschaft und letztlich ganze Staaten am Rande der Zahlungsunfähigkeit angelangt sind und sich nicht mehr vernünftig refinanzieren können, drangsalieren zentralistische Maßnahmen zur Abschöpfung von Geld (CO2-Steuern etc.) nun auch noch den letzten motivierten Marktteilnehmer.

Gerade die sozialdemokratische Bewegung, an deren Spitze ich in Österreich stehe, sieht sich in naher Zukunft enormen Herausforderungen gegenüber. Auf der einen Seite werden viele unserer treuen Wähler auch im Falle des Sieges bei den nächsten Wahlen erkennen müssen, dass man von einem Baum, der kaum mehr Früchte trägt, nicht ständig naschen kann. Andererseits werden wir, die sozialdemokratischen Vordenker, akzeptieren müssen, dass das komplexe Wirtschaftsgefüge moderner Gesellschaften auch mittels Computer niemals zentral geplant und dirigiert werden kann. Eben daran ist schließlich auch der Kommunismus sowjetischer Prägung kläglich gescheitert: Es gelang nicht, eine Ideologie so wirtschaftliche Realität werden zu lassen, dass sie dauerhaft funktionieren konnte.

Eine Sozialdemokratie hingegen, die erkannt hat, dass ein funktionierender Wirtschaftsorganismus aus unzähligen selbstverantwortlich agierenden Einheiten bestehen muss, die einerseits Gewinn erwirtschaften und andererseits aus gesellschaftlicher Solidarität dafür sorgen, dass in ihrem unmittelbaren Umfeld kein kooperationsbereiter Mensch Not leiden muss, hat eine wahrlich große Zukunft vor sich.

Ich vergesse nicht: Gerade der fleißig arbeitende Mittelbau der Gesellschaft ist es, der dafür sorgt, dass ordentlich konsumiert wird. An diesen Menschen ist es ebenso gelegen, die Lasten des Sozialsystems zu schultern, denn: Diejenigen, die wirklich wohlhabend sind, zahlen weder ordentlich Steuern noch scheinen sie in offiziellen Statistiken oder Geldranglisten auf. Der wahre Reichtum bleibt diskret im Hintergrund, um keinerlei Angriffsflächen zu bieten. Vielleicht sind dies meine letzten Worte, wenn ich fordere: Gerade diesen Reichtümern sollte sich die Sozialdemokratie in Zukunft zuwenden, um die Phase „zwischen Abrissbirne und frischem Grünland“ überstehen zu können. Ich vermute, der arbeitende Teil der Bevölkerung wird im Falle weiterer Belastungen Mittel und Wege finden, das heutige todgeweihte System ganz gezielt zu sabotieren und scheitern zu lassen – indem sich z. B. die Flucht in die Schattenwirtschaft weiter verstärkt.

Werte Österreicherinnen und Österreicher, liebe Mitbürgen! Wie Sie alle wissen, ist eines der Hauptprobleme der Gegenwart die Tatsache, dass die globale Wirtschaft ein festes, aber grobmaschiges Netz um den Planeten gespannt hat, von dem einige Wenige zulasten der schöpferischen Mehrheit profitieren. Während die von der Politik gestalteten regionalen Spielregeln (Steuern, soziale Standards etc.) keinerlei Homogenität aufweisen, sind den spekulativen Geldströmen Flügel gewachsen. Wir haben es tatsächlich mit einem Finanzadler zu tun, der gerade dabei ist, der Realwirtschaft die Leber aus dem Leib zu hacken.

Ein zentralistisches Regieren von oben herab kann in naher Zukunft nicht gelingen, es sei denn die globale Taktik der Einschüchterung mittels des Kriegs gegen den Terror, die Schweinegrippe, den Klimakollaps etc. wird unreflektiert weiter unterstützt. Wahrscheinlich liegt die Zukunft der Sozialdemokratie umso mehr in einem Europa der überschaubaren, selbstständig verwalteten Strukturen, einem Europa der Regionen, welche sich zu überregionalen, funktionierenden Kooperationen zusammenschließen können. Ich denke, jeder gestandene Sozialdemokrat sollte sich mit dieser naturnahen, organischen Sicht der Dinge befassen. Recht viele andere Möglichkeiten werden wir nicht haben …

Ich wünsche Ihnen alles Gute für die nahe Zukunft!

Ihr Werner F.“

Fazit: Bedenklich, wenn nicht einmal Politiker eines eigentlich neutralen Landes die Größe haben, die Dinge beim Namen zu nennen. Während sich der soeben erneut angelobte Herr Bundespräsident Fischer Sorgen um die Rechte der Slowenen auf verständliche Ortstafeln macht, torkelt der Rest der Österreichischen Politik einem fiskalpolitischen Endspiel entgegen, bei dem in alle Richtungen die Kulissen fallen werden. Schauen Sie auf sich und genießen Sie den Sommer, solange es geht.

Der Kosmotoriker

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7 Gedanken zu „Gastbeitrag: Die nie gehaltene Rede des Werner Faymann – Vorsitzender SPÖ

  1. Pingback: Die nie gehaltene Rede des Werner Faymann – Vorsitzender SPÖ « Haunebu7's Blog

  2. Schriftsetzerei für direkte Demokratie + Selbstversorgung.

    Werter Herr FEUER-MANN-Geisterschreiber !

    i danck Dir saggerisch fir Deinen Beitrog beziglich der satirischen Unterholtung inserer Londsleit. — Wenn sich obr wos ändern sött, donn miaßn miar die Soch salt in die Hond nehma, des hoaßt : Salt regiera, stott guat regiert werdn !

    Wenn dia in Unteröschterreich oudr in dar Staiermork sich nit amol aufs Gemeindeomt gian traua, fir an Unterschrift fir die direkte Demokratie, donn bittschen sella sie onnsuacha um Autonomie.

    Des wenigschte war holt, oanige von Enck mochn mit am Samschti, 14. Auguscht, bei dar Aktion „Feuer in den Alpen – Fö en las Alps – Fuir in dia Olpa – Falò nelle Alpi“ – FÜR DIREKTE DEMOKRATIE in Gemeinde, Bezirk, Lond, Bund – olsou fir Volksobstimmungen stott unverbindliche Volksbefrogungen, – odr –Begehren odr Bittschriften.

    Des Volk isch nit zu bleed, wia Exekutiv-Politiker-innen und Hoachschul-Lehrer-innen olli tian, na, des Volk hot genua Hausverstond, daß es ou komplizierte Zusommenhäng durchschaugt – oudr wenn a Text gor zu hochgstochn formuliert isch, daß es nuie Projektvorlogn verlongt – oudr wenn es dia oder jene Steier nit heacher hobn will, daß nochher die Exekutiv-Politiker-innen schaugn miaßn, wia sie mit w e n i g e r Geld auskemmen.

    Des fongt schua onn in dr Gemeinde : Nit der Birgermoaschter derf des letscht Wort hobn, sondern des Stimmvolk, und wenn lei 30 % hingiahn, zar Obstimmung, donn hobn holt dia Onderen sich gedenckt : Dia weras schua recht mocha, miar bleiba dahuam.

    Des folgt ou schua onn beim Wort : Stott „Bürger-Meischter“ – waar viel besser -> „Gemeinderotspräsident“, nit mehr. — Und stott Londeshauptfrau : „Regierungsrotspräsidentin“. — Und a Bundeskonzler derf gor nia ou nou Parteivorsitzender sein !

    Sou isch des, werte Stimmbürger-innen z’Wian, es war Zeit, lesets amol des Biachl „Der Gesellschaftsvertrag“ (le contrat social) vom Rousseau Jokl z’Genf. Nit daßetsÖs olli nou moanets, des isch grod der, der „zurück zur Natur“ will.

    Alsou : Auf geahts !
    Mochet a Fuir auf Enckere Bichl oudr Berg, om 14. Auguscht !

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  3. rein

    Reinprecht Karl, Graz
    Zur Rede von Faymann eine Ergänzung!

    Österreich braucht wieder seine eigene Währung, den zinslosen neutralen Schilling,
    den ATNS, er wird vom Staat emittiert, ist zinslos, wird gegen Sicherstellung und einen Kreditvertrag, an Österreicher vergeben!
    Damit ist Österreich Vorreiter bei der Sannierung des Geldwesen, weltweit!
    Damit könnte Faymann in die Geschichte eingehen, nach dem BAWAG Skandal ist das notwendig!

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  4. Christian Artikelautor

    rein schrieb:

    Österreich braucht wieder seine eigene Währung, den zinslosen neutralen Schilling,

    Ich glaube nicht, dass es in Österreich schon irgendwann mal einen zinslosen Schilling gab.

    Auch die Vorreiterrolle Österreichs stelle ich mir nicht so einfach vor, zumal uns die Verteidigung des „Zinslosen Schillings“ fehlt. Kein Land kann sich ohne verheerenden Krieg vom Zinssystem lösen.

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  5. rein

    Man muss nicht immer gleich an Krieg denken, obwohl Kriegsgründe leicht aus dem Ärmel zu zaubern sind, zum Bespiel Österreich hätte am Dachstein eine Atombombe chinesischer Bauart gelagert, dass es sich um einen Stein vom Erdbeben in China handelt, ist der internationalen Presse egal, Kriegsgrund ist Kriegsgrund! Geld bleibt Geld ohne Mascherl!
    Das dass verzinste Kreditgeldsystem die Ursache der Geldkrise ist, darf nicht sein da die Emotionen unserer Eliten dagegen sind!
    Es lebe der Selbstbetrug!
    Graz, 11.07.2010 Karl Reinprecht

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  6. Der Kosmotoriker

    Inzwischen habe ich Oliver Janichs jüngst erschienenes Buch „Das Kapitalsimus-Komplott“ 2mal gelesen. Dieses Werk kann man uneingeschränkt weiter empfehlen. Man bekommt damit die logischen Argumente geliefert, wo im System tatsächlich der Hund begraben liegt. Dei bisherige Kritik verbiss sich allzu oft in die Symptome …

    Es ist nämlich nicht der Zins, der ist sogar zwingend notwendig für das Funktionieren, weil der Zins das Risiko einer Investition bewertet. Das Problem mit dem Zins liegt wieder einmal – tarääää – beim Staat bzw. dessen zentraler Steuerung per Dekret, genannt Leitzins. Der Geldmarkt ist der wichtigste Markt von allen, und gerade hier wird das freie Spiel der Marktteilnehmer gandenlos zentral beeinflusst. Deshalb klappt es nicht. Dass wir zusätzlich ein ungedecktes Papiergeldsystem, Scherzbolde nennen es Scheingeldsystem, haben, dass aus dem Nichts frisches Geld erzeugen kann (Geldmengenausweitung durch Kreditexpansion), und uns alternativlos aufgezwungen wird, kommt noch dazu. Auch Inflation müsste nicht sein. Sie dient dem Staat nur dazu die Verschuldung irgendwie im beherrschbaren Rahmen zu halten. Lest bei Janich nach oder bei der PDV, dort wird alles verständlich mit logischen Argumenten erklärt – dorthin sollte die Reise gehen 😉 , meint

    Der Kosmotoriker

    P.S.: Janich stellt auch 9/11 und andere globale Sauereien flüssig in den aktuellen Kontext. Von mir 100 Punkte für Logik, Sachverstand und Präsentation.

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