Bettelverbot in Wien

Der Wiener Wahlkampf hat mit hirnlosen Wahlkampfgags begonnen und ebenso hirnlose Bürger können sich über dieses Bettelverbot köstlich freuen. In Foren und Blogs sind die „Tüchtigsten“ schon beim Sabbern und „Gscheitmeiern“ wahrzunehmen.

Ihre „Argumente“ sind:

  • Österreich ist ein wohlhabendes Land, niemand braucht hier zu betteln.
  • Wer den Bettlern gibt, unterstützt nur die organisierte Bettlerkriminalität.
  • Nicht die Bettler, sondern die dahinter stehende Bettlermafia wird verjagt.
  • Wer betteln kann, kann auch arbeiten.
  • Bettler verstümmeln sich um mehr erbetteln zu können.
  • Bettler betteln mit ihren Kindern um Mitleid zu schinden.
  • Wer den Armen wirklich helfen will, soll an „anerkannte“ Organisationen spenden.
  • „Ich habe selbst gesehen, wie eine Bettlerin ihr Handy … blablabla …“

Meine Argumente sind:

  • Beim AMS (Arbeitsamt) um Arbeit zu betteln, von der „mensch“ nicht leben kann, ist nicht verboten!
  • Beim Arbeitgeber um Arbeit zu betteln, durch dessen Lohn man sich das Produzierte nicht leisten kann, ist ebenfalls erwünscht.
  • Die mit Millionen gesponserte Zeitungsindustrie lässt unterbezahlte Billiglöhner Zeitungen verteilen.
  • Durchwegs verbrecherische Banken betteln erfolgreich um Staatshilfen.
  • Industrien betteln und bettelten ebenso erfolgreich um Steuerbefreiung.
  • Das Bundesheer rekrutiert bettelnd Soldaten, um das Raubgut und den Reichtum der Elite zu schützen.
  • Die Regierung verschenkt unsere selbst bezahlte Infrastruktur (AUA, Post, öffentlicher Verkehr, Straßen, Wasser, Energie usw.) an bettelnde Reiche, wodurch sich der Steuerzahler sein eigentliches Eigentum durch Aktien oder die, durch das Monopol überteuerte Dienstleistung, nochmals kaufen darf.
  • Von der Arbeit eines Menschen, die eigentlich sein Eigentum ist, erbettelt sich die Regierung massig Lohnsteuer.

Kein vernünftiger Mensch würde Wasserschäden verbieten lassen, nur weil das Dach ein Loch hat, sondern er würde zuallererst das Dach reparieren. Es gilt eben die Ursachen zu beseitigen, allein schon, weil diese jeden – auch Sie – treffen können.

Wo sind die Ursachen der Bettlerei zu finden?

Die Menschen müssen Miete, Hypothek, Energie, Wasser, Nahrung, Zinsen, Bildung, Gesundheit, Mobilität usw. bei immer mehr Monopolbündnissen bezahlen, verfügen jedoch über keine eigenen Produktionsmittel und sind somit verpflichtet ein Arbeitsleben lang für einen fremden, arbeits- und leistungslosen Gewinn zu buckeln.

Unsere Rechtsordnung bestimmt auch, dass ein in Österreich ansässiger Mensch – ob hier geboren oder zugewandert – sein Leben lang dazu verdammt sein kann, für den Fleck Erde auf dem er leben muss, an einen Anderen „bezahlen“ zu müssen. Sei es durch Miete oder durch Zinsen (=Wucher), nur weil dieser Jemand entweder geerbt hat oder mit Ellbogen durch die Gemeinschaft eine Kerbe schlug.

Als ausgleichender Ersatz dieser Enteignungs- und Versklavungsstrategien kann nur das Bedingungslose Grundeinkommen helfen, denn mit diesem würde gleichzeitig ein taugliches Argument gegen die Bettelerlaubnis geschaffen. Weiter wäre für das Schöpfen von Werten und das Leisten nötiger Dienste endlich wieder ein würdevoller Vollzeitlohn zu erzielen, von dem eine Familie auch ordentlich leben kann.

So nebenbei möchte ich erwähnen, dass die tägliche 8-Stunden-Arbeitskraft eines einzigen Menschen – ohne dafür Maschinen oder Tiere zu benutzen – zwanzig weitere Menschen ernährt. Aufgrund dieser Rechnung könnte Österreich, mit seinen 4 Mio. Erwerbstätigen, 80 Mio. Menschen ernähren. Nun benutzen wir jedoch die effiziente Arbeitsteilung, Roboter und Maschinen; haben, statt 80, nur 8,5 Mio Menschen zu ernähren, und dennoch ist unsere Wirtschaft nicht mal annähernd fähig allen Leuten ein würdevolles Dasein zu bieten. Fragen Sie sich nicht auch wer diesen Reibach, welcher 80 Millionen Menschen versorgen könnte, in seine schmutzigen Taschen steckt und wer diesen „Unbekannten“ dabei hilft?

Fazit:
Das Betteln ist erwünscht, wenn daran ein kleiner Haufen elitärer, unverschämter Schmarotzer und deren Helfer „mitschneiden“ dürfen. Das zwischenmenschliche Geben als auch die Aufmerksamkeit gegenüber Artgenossen und den Gesellschaftsproblemen werden abtrainiert; die funktionierende Empathie verstümmelt. Die Menschen sollen glauben, dass jede Art von gezeigter Armut gefälscht oder nicht vorhanden ist und dass das Betteln, besonders von der Unterschicht, immer ein gewerbsmäßiger, krimineller Akt sei. Bettler am Wegrand sind nicht vertrauenswürdig, während die legalen Betteleinrichtungen (Kirchen, Parteien und sonstige Hilfsfabriken), mit ihren prunksüchtigen Palästen, dicken Fahrzeugen und Flügen zu sich selbst beweihräuchernden Benefiz-Fress- und Sauferein, vollstes Urvertrauen gegönnt sein soll.

Das Betteln, Bitten oder aufs eigene Leid hinweisen = böse!
Das legalisierte, staatsnahe Betteln – wie Rauben, Betrügen, Wuchern, Monopolisieren, Privatisieren, Verkapitalsieren, am Krieg oder an der Kriegsbeute beteiligen usw. – ist offensichtlich gut.

Zum Abschluss noch ein Gedicht:

Reicher Mann und armer Mann
Standen da und sah’n sich an.
Und der Arme sagte bleich:
Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.“

aus dem Gedicht „Alfabet“, Bertolt Brecht 1934.


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7 Gedanken zu „Bettelverbot in Wien

  1. rein

    Mythen über Geld: „Über Geld spricht man nicht, Geld hat man“, raffiniert irreführent, das Unwissen über Geld muß erhalten bleiben!

    Reinprecht 30.03.2010

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  2. stimmtdas

    das letzte hemd hat keine taschen

    DES DASEIN SINN IST NOCH NICHT KLAR
    ALLE WOLLEN LEBEN
    DAS PARADIS ES EINMAL WAR
    ALLES SOLLTE ES UNS GEBEN
    AUS GIER ZERSTÖRT WIRD NUN DIE WELT
    ALS OB SIE UNS GEHÖRT
    AUS IHREN FUGEN SIE BALD FÄLLT
    NUR GUT UND REICHTUM UNS BETÖRT
    DES LEBENS SINN WIR NIE VERSTEHN
    DRUM NACKT UND ARM
    VON DIESER WELT WIR GEHN

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  3. zump

    Wenn das bedingungslose Grundeinkommen kommen würde, wäre ein
    großer Teil der Menschen nicht mehr erpressbar und terrorisierbar.

    Außerdem müsste man aufpassen, dass sollte dies zu meiner Überraschung doch noch gemacht werden, es als Rechtfertigung genutzt wird um den ersten Arbeitsmarkt weiter zu crashen, fast nur noch 400 € Jobs …etc.

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  4. Heinz Fischer

    Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.

    Die Geschichte lehrt die Menschen, daß die Geschichte die Menschen nichts lehrt

    Alle unsere Streitigkeiten entstehen daraus, daß einer dem anderen seine Meinung aufzwingen will.

    Liebe ist die stärkste Macht der Welt, und doch ist sie die demütigste, die man sich vorstellen kann.

    Mahatma Gandhi

    Starke worte von einen kleine zierlichen Mann.
    Der wenn man so sagen kann eine ganze Nation mit Liebe frei bekommen hat von den
    Besetzern .

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